Adaptive Architektur ::: Im ausgehenden 20. Jh. hat ein allgemeiner Paradigmenwechsel in Bereichen der Wissenschaft stattgefunden. Die Abkehr von der linearen Logik eines deterministischen Weltbildes, welches die Neuzeit über Jahrhunderte geprägt hat, öffnet den Blick auf neue Wissenschaftsbereiche wie Komplextätstheorie, Chaostheorie, Fuzzy Logik, Netzwerktheorie oder Synergetik. In diesem Kontext verankerten sich neue Begriffsgruppen im akademischen Diskurs: Emergenz, Selbstorganisation, Selbstähnlichkeit, Adaptivität, Synthetik etc. Die Phänomene „Selbstorganisierende Systeme“ und „Adaptivität“ bietet besondere Anhaltspunkte, die uns veranlassen, diese auf Architektur anzuwenden. Die typischen hierarchischen Parameter der herkömmlichen Entwurfsmethoden - Kontrollierbarkeit, Vorhersehbarkeit und Verständlichkeit - werden durch andere Parameter wie Adaptionsfähigkeit, Entwicklungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit etc. ersetzt. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, überschreiten diese Methoden bewußt Grenzziehungen, die eine objektive Bewertung erschweren. Es ist inzwischen allgemein unstrittig, dass die Grenze von Physik zur Metaphysik oder von der Chemie zur Alchemie unscharf ist. Neu jedoch ist, diese Unschärfe bewusst als Instrumentarium einzusetzen – vor allem in der Architektur.